{"id":412,"date":"2022-06-02T09:32:51","date_gmt":"2022-06-02T09:32:51","guid":{"rendered":"https:\/\/komplizinnen.space\/project\/more-is-more-01\/"},"modified":"2024-08-23T09:09:16","modified_gmt":"2024-08-23T09:09:16","slug":"more-is-more-01","status":"publish","type":"project","link":"https:\/\/komplizinnen.space\/de\/project\/more-is-more-01\/","title":{"rendered":"More is More #01"},"content":{"rendered":"\n<p style=\"font-size:30px\"><strong>DE.<\/strong> Die globale Kulturgeschichte ist Jahrhunderte lang wei\u00df. Nach dem Motto \u201eDie Siegenden sagen die Wahrheit\u201c, werden Kriegsverbrechen relativiert und unterdr\u00fcckende Systeme billigend in Kauf genommen \u2013 somit ein \u201ewir\u201c geformt, welches die Norm meint und Blindstellen einer vielstimmigen Gegenwart hinterl\u00e4sst. Erst seit dem Ende des 20. Jahrhunderts scheint endlich eine Besch\u00e4ftigung mit dieser Unvollst\u00e4ndigkeit vonstatten zu gehen, was sich auch auf die Kunst auswirkt. Es gibt ganze wissenschaftliche Zweige, die sich mit den Gr\u00e4ueltaten von Raubkunst besch\u00e4ftigen und auch die zeitgen\u00f6ssische Kunst wird diverser, offener, zeigt sich loud und proud. Doch es bleibt ein Anfang, dem viele weitere Jahrzehnte der Aufarbeitung folgen m\u00fcssen.<\/p>\n\n<p style=\"font-size:30px\">Die Festivalreihe <em><a href=\"https:\/\/tanzhaus-nrw.de\/de\/specials\/festival\/volume-up-2022\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/tanzhaus-nrw.de\/de\/specials\/festival\/volume-up-2022\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">VOLUME UP<\/a><\/em> \u2013 zun\u00e4chst <em>Unacknowledged Histories<\/em> &#8211; setzt sich mit jenen auseinander, die vom \u201eNarrativ der Nation\u201c ausgeschlossen sind. Im Antragstext zum Vorhaben an die Kunststiftung NRW wird dabei auf den Begriff des \u201eEpistemizid\u201c nach Ram\u00f3n Grosfoguel verwiesen, welcher die systematische Zerst\u00f6rung von Wissen umfasst.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-pullquote has-black-color has-white-background-color has-text-color has-background\" style=\"border-style:dotted;border-width:2px;font-size:15px;font-style:italic;font-weight:300\"><blockquote><p>Ein Deutscher \u201eentdeckt\u201c eine Blume in Tansania \u2013 bis heute tr\u00e4gt sie in der international g\u00fcltigen botanischen Nomenklatur seinen Namen. War die Pflanze vor 1891 unbekannt? Sicher hatten auch die Bewohner Tansanias einen Namen f\u00fcr sie. Aber wir finden ihn nicht in den Botanik-Lehrb\u00fcchern. Wir wissen vieles nicht \u00fcber die Herkunft unseres Wissens. Oder wollen es nicht wissen. Dass gro\u00dfe Teile davon auf Gewalt beruhen etwa. Darauf, dass Menschen ausgebeutet \u2013 und deren Wissen angeeignet wurde. Weil sie als nicht viel mehr galten als eine Ressource. Eine unterlegene \u201eRasse&#8220;.<\/p><cite>Azad\u00ea Pe\u015fmen und Lydia Heller, Wei\u00dfe Flecken auf wissenschaftlicher Landkarte<\/cite><\/blockquote><\/figure>\n\n<div style=\"height:0px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\"><div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/komplizinnen.space\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Unbenannt-1-2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-133\" width=\"474\" height=\"474\" srcset=\"https:\/\/komplizinnen.space\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Unbenannt-1-2.jpg 1080w, https:\/\/komplizinnen.space\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Unbenannt-1-2-800x800.jpg 800w, https:\/\/komplizinnen.space\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Unbenannt-1-2-150x150.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 474px) 100vw, 474px\" \/><\/figure><\/div><\/div><\/div>\n\n\n\n<p style=\"font-size:30px\">Die Initiator:innen , tanzhaus-Dramaturgin Ana\u00efs Emilia R\u00f6del (\u2020) und K\u00fcnstlerin Ligia Lewis, wollen mehr als eine Perspektive auf das Thema Kolonialismus zu werfen, mehr als eine Sicht auf die Wirklichkeit zeigen. Denn gerade durch die selektierte Wahrheit, diesen Epistemizid von Wissen, klaffen bei Betroffenen die Wunden und Traumata immer wieder auf, kann durch Nicht-Verhandlung mehr Schaden bewirkt werden, als wenn offen und reflexiv damit umgegangen werden w\u00fcrde. Die letztj\u00e4hrliche Ausgabe warf einen kritischen Blick auf die Vergangenheit, in diesem Jahr stehen mehr zeitgen\u00f6ssische Themen im Fokus. Philipp Schaus, der Ausz\u00fcge aus dem Antragstext vorliest, erkl\u00e4rt, dass die Veranstaltungsreihe im dreij\u00e4hrigen Zyklus gedacht war, dies durch den Intendantinnenwechsel aber nicht mehr abgeschlossen wird. Umso mehr Power und Komplexit\u00e4t hat das diesj\u00e4hrige Festival, sagt er. Denn es ist Zeit, Publikum mehr zuzutrauen, es mehr mit der Realit\u00e4t zu konfrontieren und unangenehme Begegnungen zu schaffen. Auch deswegen hat Olivia Hyunsin Kim die zweite Ausgabe des Festivals kuratiert.<\/p>\n<\/div><\/div>\n<\/div><\/div>\n\n<div style=\"height:4px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n<figure class=\"wp-block-pullquote has-border-color has-black-border-color has-black-color has-white-background-color has-text-color has-background\" style=\"border-style:dotted;border-width:2px;font-size:15px;font-style:italic;font-weight:300\"><blockquote><p>Ich war sauer, denn ich hatte das Gef\u00fchl, die Generationen vor mir, vor uns hatten uns im Stich gelassen und im Falle von asiatisch-deutschen Menschen das Stereotyp der stummen, gef\u00fcgigen Asiat*innen erf\u00fcllt. Ich steckte in einem Dilemma, da Postkolonialismus als Festivaltrend mehr und mehr Anklang fand. Einerseits k\u00e4mpfte ich f\u00fcr mehr Repr\u00e4sentation von marginalisierten Gruppen in den Darstellenden K\u00fcnsten. Andererseits wollte ich nicht die einzige Repr\u00e4sentantin, der feel-good-Token f\u00fcr eine wei\u00dfe, able-bodied Mehrheitsgesellschaft sein.<\/p><cite>Olivia Hyunsin Kim, TO ALL THE UNNIS I HAVE LOVED BEFORE<\/cite><\/blockquote><\/figure>\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/komplizinnen.space\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Unbenannt-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-113\" width=\"427\" height=\"427\" srcset=\"https:\/\/komplizinnen.space\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Unbenannt-1.jpg 1080w, https:\/\/komplizinnen.space\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Unbenannt-1-800x800.jpg 800w, https:\/\/komplizinnen.space\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Unbenannt-1-150x150.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 427px) 100vw, 427px\" \/><\/figure><\/div>\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<p style=\"font-size:30px\">In ihrem Text zum Festival, TO ALL THE UNNIS I HAVE LOVED (BEFORE), berichtet Olivia Hyunsin Kim von Postkolonialismus, der gef\u00fchlten Machtlosigkeit und der Erkenntnis, dass die Generationen vor ihr sehr wohl aufbegehrt hatten gegen ein ungerechtes System, jedoch in der Geschichte kaum etwas davon zu lesen ist. Als Beispiel nennt sie das Aufbegehren koreanischer Krankenschwestern in M\u00fcnster in den 1970er Jahren gegen eine geplante Zwangsabreise \u2013 ein wichtiger Schritt hinzu mehr Rechten f\u00fcr Menschen mit Migrationsgeschichte in Deutschland. Als Auftakt zum gemeinsamen Gespr\u00e4ch betonte sie au\u00dferdem, dass BpoC-Personen und Crippled-Artists in ihren Augen meist ins Rahmenprogramm von Kulturfestivals verbannt werden, nicht zur \u201eHaupt\u201cKunst geh\u00f6ren. Bei Paneldiskussionen, so berichtet Kim, werden zum Teil immer dieselben Positionen eingeladen, um repr\u00e4sentativ f\u00fcr ihre Bev\u00f6lkerungsgruppe zu sprechen.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n<p style=\"font-size:30px\">Im gemeinsamen Gespr\u00e4ch mit den anwesenden Kompliz:innen und G\u00e4st:innen wurden die Kurzimpulse diskutiert und weitergesponnen. So wurde beispielsweise auch die Frage gestellt: Wann deklariert man etwas als Neben-, wann als Hauptprogramm? Wie erreicht man, das nicht \u201eimmer dieselben\u201c sprechen? Wie erreicht man Menschen au\u00dferhalb der Szene und erh\u00f6ht somit auch die Nachfrage nach einem solchen komplexen Angebot, welches konfrontiert, ersch\u00fcttert und unkomfortabel ist? Die Anwesenden hinterfragten auch ihr eigenes Handeln und vorhandene Arbeitsweisen, tauschten sich \u00fcber konkrete Probleme aus und f\u00fchlten sich auch mancherorts ertappt in angelernten Verhaltensweisen.<\/p>\n\n<p style=\"font-size:30px\">MORE IS MORE dankt Olivia Hyunsin Kim und Philipp Schaus f\u00fcr ihre Zeit und den tollen Auftakt zur Veranstaltungsreihe.<\/p>\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n<p style=\"font-size:30px\"><strong>EN<\/strong>. WHO IS NOT IN THE ROOM? The first session of MORE IS MORE on June 1, 2022 dealt with white spots in the independent scene of D\u00fcsseldorf, NRW and the international festival culture in dance, performance and theater in an exchange with the initiators Olivia Hyunsin Kim and Philipp Schaus. The occasion was the upcoming second edition of the festival VOLUME UP &#8211; Unheard Stories, Unnoticed Knowledge at tanzhaus nrw.<\/p>\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n<p>LINKS ZUM THEMA:<\/p>\n\n<div class=\"wp-block-buttons is-layout-flex wp-block-buttons-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-button has-custom-font-size is-style-outline has-medium-font-size\"><a class=\"wp-block-button__link wp-element-button\" href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/rassendenken-teil-2-weisse-flecken-auf-wissenschaftlicher-100.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Wei\u00dfe Flecken auf wissenschaftlicher Landkarte, ein Artikel von Azad\u00ea Pesmen und Lydia Heller, Deutschlandfunkkultur 2018.<\/a><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-button has-custom-font-size is-style-outline has-medium-font-size\"><a class=\"wp-block-button__link wp-element-button\" href=\"https:\/\/onbeing.org\/programs\/ocean-vuong-a-life-worthy-of-our-breath-2022\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Ocean Vuong: A Life Worthy of Our Breath (Podcast-Interview) 2020. <\/a><\/div>\n<\/div>\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Projektdokumentation: <a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/in\/lena-busse-3a3655138\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.linkedin.com\/in\/lena-busse-3a3655138\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Lena Busse<\/a>.<\/p>\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>More is More<\/strong> \u00f6ffnet einen dritten Raum f\u00fcr informelle, professionelle Begegnungen und Austausch. Hier k\u00f6nnen Akteur:innen der Tanz und Performing Arts Szene aus unterschiedlichen Ansichten und Erfahrungsspektren gegenseitig sch\u00f6pfen und lernen.<br\/><br\/>Unterst\u00fctzt durch das NATIONALE PERFORMANCE NETZ &#8211; STEPPING OUT, gef\u00f6rdert von der Beauftragten der Bundesregierung f\u00fcr Kultur und Medien im Rahmen der Initiative NEUSTART KULTUR. Hilfsprogramm Tanz<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/komplizinnen.space\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/logopaket2-1-1200x169.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-150\" width=\"600\" height=\"85\" srcset=\"https:\/\/komplizinnen.space\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/logopaket2-1-1200x169.png 1200w, https:\/\/komplizinnen.space\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/logopaket2-1-800x113.png 800w, https:\/\/komplizinnen.space\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/logopaket2-1.png 1417w\" sizes=\"(max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/figure>\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>WHO IS NOT IN THE ROOM? im Austausch mit Olivia Hyunsin Kim und Philipp Schaus \u00fcber wei\u00dfe Flecken in der freien Szene D\u00fcsseldorfs, NRWs und der internationalen Festivalkultur in Tanz, Performance und Theater.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":263,"template":"","komplizin":[36,28],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/komplizinnen.space\/de\/wp-json\/wp\/v2\/project\/412"}],"collection":[{"href":"https:\/\/komplizinnen.space\/de\/wp-json\/wp\/v2\/project"}],"about":[{"href":"https:\/\/komplizinnen.space\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/project"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/komplizinnen.space\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/263"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/komplizinnen.space\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=412"}],"wp:term":[{"taxonomy":"komplizin","embeddable":true,"href":"https:\/\/komplizinnen.space\/de\/wp-json\/wp\/v2\/komplizin?post=412"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}